Ehemalige militärische Anlagen - Kriegsgeschehen - Dokumente
In Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesamt

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Schadensbericht des Kraftwerkes Lübeck, nach dem Luftangriff auf die Hansestadt am 16.07.1942

(siehe auch den Abschlussbericht von Angriff am 25.08.1944)


Am späten Abend des 16.07.1942 wurde in Lübeck um 22.00 Uhr Fliegeralarm ausgelöst, vierundzwanzig Minuten später überflog eine Feindmaschine das Kraftwerk Lübeck-Herrenwyk in ost-westlicher Richtung und warf mehrere Sprengbomben ab. Eine der abgeworfenen Sprengbomben traf als Volltreffer einen in der Kesselanlage mit Gichtgas geheizten Kessel von 600qm Heizfläche und brachte diesen zur Explosion. Durch die starke Explosion des Kessels enstanden weitere Schäden, die wie folgt beschrieben werden;

1. Völlige Zerstörung des getroffenen Kessels
2. Zerstörung der rechts und links stehenden Nachbarkessel (Instandsetzung unmöglich)
3. Beschädigung weiterer drei Kessel
4. Beschädigung der Hauptdampf- und Speisewasserleitungen (Schäden umfangreich)
5. Beschädigung des eisernen Kohlenbunkers von ca. 150 t. Fassungsvermögen
6. Völlige Zerstörung einer Eigenverbrauchs-Travo-Station, bestehend aus drei Transformatoren von insgesamt 1200 kVa
mit den dazugehörigen zweisystemigen Schaltanlagen
7. Völlige Zerstörung der Holzbedachung des Kesselhauses und des Bürogebäudes
8. Völlige Zerstörung einen Teiles (ca. 30%) der Fachwerk- und Dacheisenkonstruktion des Kesselhauses
9. Teilweise Beschädigung der Gichtgasleitung
10. Totalzerstörung der umfangreichen Fensterverglasung aller Gebäude
11. Totalzerstörung der Oberlichtverglasung des Kessel- und Maschinenhauses
12. Teilweise Zerstörung der Ziegelbedachung des Schalthauses des Wohlfahrtsgebäudes
13. Totalzerstörung eines Wellblech- und Fachwerkschuppens (Eislager) und Teilzerstörung des Daches der Werkstatt
14. Beschädigung einiger 30 kV-Freileitungen (Dratbrüche)

Ein Teil der Stromversorgung der Stadt Lübeck konnte bereits einige Stunden nach dem Luftangriff durch Fremdstrombezug über die Transformatorenstation Geninerstraße wieder aufgenommen werden. Nachdem die zerstörten Freileitungen instandgesetzt waren, konnte 15 Stunden nach dem Angriff das gesamte Versorgungsgebiet mit Fremdstrombezug (mit einer Einschränkung von ca. 25%) beliefert werden.
Durch den explodieren Kessel wurde der Heizer Ernst Sch., der zur Notbelegschaft gehörte, bei der Ausübung seines Dienstes tödlich verletzt. Verletzungen der übrigen Belegschaft, die als Notbelegschaft und Brandwachen tätig waren, sind außer unbedeutenden Verletzungen, wie Hautabschürfungen und Prellungen, nicht aufgetreten.

Die Lübecker Flenderwerke melden den mehrfachen Überflug feindlicher Flugzeuge, um 22.45 Uhr den Abwurf von vier Sprengbomben aus einem zweimotorigen Bomber, der das Werk in ca. 800m Höhe von Nordost nach Südwest überflog. Die erste der vier abgeworfenen Bomben fiel ca. 25m vom Ausrüstkai in die Trave, die übrigen drei folgten im Reihenwurf mit Abstand von ca. 25m auf freies Gelände.



Bildbericht zum Hochofenwerk und die Nordwestdeutschen Kraftwerke


Die Bilder zeigen die Schäden des ersten Treffers in die Teerdestillation, mit Blick auf den zerstörten Kessel. Auffällig ist
hier die Zerstörung ohne Brandwirkung.


Der zerstörte Kessel




Das Bild links zeigt den Splitterschutzstand in unmittelbarer Nähe des Kessels. Der im Splitterschutzstand anwesende Brandwachmann wurde von dem Einschlag in keiner Weise betroffen und hat auch von dem Luftdruck nur sehr wenig gespürt. Das Bild rechts zeigt die Schäden des 3. Treffers der ersten Bombenreihe. Der Bombenkrater ist ausgefüllt mit schwarzer glitzernder Pechmasse, da der in der Nähe befindliche
Pechbehälter beschädigt wurde und die Flüssigkeit über die Schadensstelle auslief.



An einem Gasometer sind deutlich die eingeschlagenen Bombensplitter im oberen Bereich zu erkennen.
Im unteren Bereich ( 5 bis 6m) des Gasometers konnten keine Einschläge festgestellt werden.




Der 4. Treffer der ersten Bombenreihe im Bereich der Koksbatterie.




Links der 5. Treffer in die Verladebahn II. Man beachte die verbogenen Gleise.
Rechts der 6. Treffer in die Lehmaufbereitung der Koksbatterie.




Der 3. Treffer der zweiten Bombenreihe am Ufer des Hafengeländes.
Die zum Zeitpunkt des Bombenabwurfes auf dem Schoner "Emanuel" befindlichen
Personen wurden durch umherfliegende Bombensplitter verletzt.




Der 5. Treffer der zweiten Bombenreihe. Das hier gezeigte Rohrstück flog etwa 40m weit aus der
Schadensstelle der Norddeutschen Kraftwerke in den hier gezeigten Umkleideraum des Hochofenwerkes.




Der 1. bis 6. Treffer der dritten Bombenreihe.
Der erste Treffer liegt unmittelbar im Vordergrund hinter dem Aufzug, der zweite Treffer (in Bildmitte) hat einen Holzschuppen zerstört. Der dritte Treffer vernichtete einen Teil vom Lokschuppen und die Rohrleitungen. Vierter, fünfter und sechster Treffer haben nur geringe Schäden an den im Hintergrund befindlichen Gebäuden hervorgerufen.




Volltreffer (5. Treffer) der zweiten Bombenreihe in das Kesselhaus der Nordwestdeutschen Kraftwerke.
Auf dem Bild rechts, in der Bildmitte vorn, liegt ein Teil des explodierten Kessels. Ein größeres Rohrstück
flog noch 40m weiter und landete im Umkleideraum des Hochofenwerkes.




Der Blick in das zerstörte Kesselhaus. In der Bildmitte die Trümmer der für den Eigenverbrauch
bestimmten Travostation der Nordwestdeutschen Kraftwerke, die mitsamt ihrer Schaltanlange,
durch die Wucht der Explosion des Kessels, total vernichtet wurde.




Blick in den Innenraum des zerstörten Kesselhauses.
Der in der Bildmitte sichtbare Kohlenhaufen enstand dadurch, dass einer der oben im Bild befindlichen
Kohlenbunker mit 150 t. Fassungsvermögen beschädigt wurde und die gesamte Kohle auslief.

 



 

 

 

 


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