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Luftangriffe auf militärische Anlagen und den Marinehafen Kiel
vom 14.05.1943 - 04.04.1945
Die folgendes Angaben, über durchgeführten Luftangriffe auf Kiel, basieren auf amerikanische Daten (US-Air-Force), sowie den Zeitzeugen-Aufzeichnungen von Herrn Detlef Boelck (Kiel) und Frau Alwine Baumann (Raisdorf).Die persönlichen Berichte dieser Zeitzeugen spiegeln das Leid, Elend und die verheerende, zerstörerische Wirkung der abgeworfenen Bomben auf die Stadt Kiel während des zweiten Weltkrieges wider, wobei die Angaben der US-Air-Force eher sachlich und statistisch wirken. Im folgenden werden die amerikanischen Angaben(1) erwähnt, gefolgt von denen des Herrn Boelck(2), sowie denen der Frau Baumann(3), wobei hier teilweise tagesbezogene Angaben der Zeitzeugen fehlen.

Eine Formation amerikanischer B-24D - Bomber über Kiel (zum vergrößern anklicken) Foto:US-Air Force
Freitag, 14.05.1943
(1) Eine große Anzahl an Flugzeugen stieg in die Luft, als Teil einer kombinierten Offensive gegen die Wehrmacht.154 B-17 -Bomber, 21 B-24 - Bomber und 12 B-26 - Bomber wurden auf vier Ziele abgesandt. Hauptziel war die U-Boot-Werft und der Marinestandort in Kiel.126 B-17 und 17 B-24 - Bomber trafen ihre Ziele zwischen 12.00 und 12.03 Uhr.Abgeschossen wurden hierbei 3 B-17 und 5 B-24 - Bomber, 27 B-17 sowie 10 B-24 - Bomber wurden beschädigt. 3 Besatzungsmitglieder wurden getötet, 17 verwundet und 81 vermißt.
(2)Bei herrlichem Sommerwetter und strahlend blauen Himmel waren ca. 75 feindliche Flugzeuge gemeldet, wovon 30 Kiel anflogen. Sie warfen innerhalb von 10 Minuten ca. 380 Spreng- und 5 - 6.000 Brandbomben ab, die eine fürchterliche Wirkung hatten. Als wir aus den Luftschutzräumen herauskamen, hatte sich der Himmel verdunkelt, die Sonne war durch den Qualm nicht mehr zu sehen. In Gaarden brannten ganze Straßenzüge, und das Feuer hatte einen Sturm entfacht. Das war der bisher größte Angriff auf Kiel.Die Germaniawerft wird für einige Zeit nicht voll arbeiten können. Viele Häuser wurden zerstört oder beschädigt. Eine große Anzahl Haushaltungen ist ohne Licht, Wasser und Gas. Eine Massenbespeisung muß durchgeführt werden. Die Straßenbahn Linie 8 nach Wellingdorf kann für längere Zeit nicht fahren. Ungefähr 2.700 Wohnungen sind durch Total - bzw. Großschäden vernichtet worden. 2805 Personen müssen evakuiert werden. 354 Todesopfer sind zu beklagen.Das Licht in unserem Luftschutzkeller war ausgegangen, und die Notbeleuchtung wurde eingeschaltet. Ein besonders schwerer Brocken, eine 42 Zentner schwere Sprengbombe, krepierte auf freiem Feld zwischen Preetzer Chaussee und Segeberger Straße. Der Durchmesser des Bombentrichters beträgt ca. 23m bei einer Tiefe von 8 -10m. Ein Flugzeug wurde in nordwestlicher Richtung abgeschossen. Mehrere Flieger sprangen mit dem Fallschirm ab.
Bericht des Zeitzeugen Jochen Große aus Heikendorf zum Luftangriff auf Kiel am 14.05.1943:
"Jochen Große wurde im April 1943 eingeschult in die Volksschule Karlstal in Kiel-Gaarden.
Diese Schule stand in der Schulstraße auf dem Gelände des heutigen Backsteingebäudes mit den Haus-Nr. 35 und 37(Bürogebäude Stadt Kiel) Es war ein weißes, mit Ziegeln gebautes 2 stöckiges ca 100 m langes Haus mit einem relativ flachen Dach. Gegenüber an der Bushaltestelle stehen heute noch 2 Altbauten mit den Haus Nr.42 und 44. Damals stand 50 m nördlich dieser Häuser ein ca. 70m hoher Fabrikschornstein der Germaniawerft, wahrscheinlich der Gießerei..
Gegen Mittag des 14. Mai, einem wolkenlosen Frühlingstag, wurden die ABC-Schützen nach dem Voralarm in den Keller der Schule geführt. Dieser hatte der keinerlei technischen Schutz gegen Bomben. Ich stand direkt am Kellerfenster auf Höhe des Schornsteines. Durch den Kellerrost sah ich helle Blitze. Die Schüler schrien nach jedem Blitz bzw. nach jeder Erschütterung. Irgendwann verließen wir den Keller und wurden ohne Begleitung nach Hause geschickt. Ich entdeckte ein Auto auf dem Dach der Schule. Es stand auf seinen vier Rädern. Das fanden wir auch in den nächsten Tagen noch toll. Nach meiner Erinnerung stand diese Autowrack noch 1947/48 auf der Rasenfläche Kaiserstr.63a.
Mit meiner Mutter hatte ich vorher den Nachhauseweg eingeübt. Ich ging auf dem Weg zur Bothwellstr. 4 über den Vinetaplatz in die Wikingerstraße, kam aber an der Kreuzung zur Johannesstr. nicht weiter, weil gerade ein riesiger Dachstuhl brennend aus dem Haus Wikingerstr. 5 (oder der Baulücke daneben) auf die Straße krachte. Wie ich nun weiterkam, ist mir nicht mehr erinnerlich, jedenfalls kam mir meine Mutter an der Ecke Kaiserstr./Pickertstr entgegen. Ich fühlte mich jetzt geborgen und war der schrecklichen Verantwortung für den richtigen Nachhauseweg enthoben.
Wir wohnten in der 3. Etage der Bothwellstr. Nr. 4 (Neubauten ca 1937/38, schon mit WC in der Wohnung und Betondecken, Eigentümer: Schlachter Bierwitz aus der Augustenstr). Vom Balkon konnte ich beobachten , wie der Altbau des heutigen Hauses Ostring Nr. 172 brannte. Dieses Haus und die weiteren 5 - 7 nördlich hatten alle Holzdecken und Holztreppenhäuser. In den nächsten 3 Stunden gerieten alle Häuser nacheinander über die brennenden Dachstühle bis zu dem heute noch stehenden Haus Ostring Nr.188 in Brand. Unvergeßlich ist für mich, dass die Bewohnung jeweils kurz vor Erreichen des Feuers begannen, ihre Bettenwäsche und sonstige leichte Gegenstände aus den oberen Etagen in den Hof zu werfen. Wir haben natürlich auch schon gebangt, ob das Feuer auch zu uns auf die gegenüberliegende Seite kommen würde. Die Feuerwehr erschien erst am späteren Nachmittig, also nach 3 bis 4 Stunden. Sie konnte nur noch das Haus Ostring Nr. 188 noch retten. Es steht heute noch.
Später als Kind hatte ich Alpträume weniger wegen der Bomben, sondern wegen des möglicherweise umfallenden Schornsteins, obwohl ich heute weiß, dass Schornsteine nie in voller Länge umfallen und auch selten von Bomben direkt getroffen werden.
Meine Mutter und meine 2 und 12 jährigen Schwestern wurden anschließend nach Franken evakuiert. Mein Großvater Paul Beutler, ehemals Schirrmachermeister auf der Germaniawerft, bewachte unsere Wohnung. Er kam am 16.9.1944 im Luftschutzkeller dieses Hauses nach einem Bombenvollstreffer ums Leben. 1946/47 konnte ich noch unsere Tapeten an der Wand nördlich zum Nachbarhaus erkennen.
Nachtangriffe durch englische Bomberverbände müssen auch schon vor dem 14.05.1943 stattgefunden haben. Meine Mutter weckte uns dann und lief mit den 3 Kindern entweder in den Pickert-Hochbunker (auf dem Hinterhof Ecke Kaiserstr./Pickertstraße, in den 60ger Jahren abgerissen) oder in den Hochbunker vor der Schule Große Ziegelstr.
Erinnerlich ist mir besonders, daß einmal die Türen des Pickertbunker wegen Überfüllung geschlossen waren. Wir liefen dann über den Ostring zum Bunker Große Ziegelstr. Ich hörte schon irgendwo Bomben fallen. Ein anderes Mal war der Bunker Pickertstraße so überfüllt, dass einige Menschen wegen Sauerstoffmangel umfielen. Bei Schwankungen des Bunkers fand ein infernalisches Geschrei statt, dass mir heute noch in den Ohren klingt. Hier standen Stockbetten 3 fach übereinander, in jedem der Betten lagen 7-8 Kinder.
Das Haus uns gegenüber Bothwellstr. 7 oder 9 erhielt wohl schon vor 1942 oder früher einen Volltreffer. Es wurde wieder aufgebaut. Kaum war es fertig, fiel wieder eine Bombe hinein und es war weg. In das Haus Pickertstr. 14/Jachmannstr. 4 fiel auch am 14.5.1943 eine Bombe. Diese explodierte jedoch nicht. Nach dem Blindgänger wurde lange gegraben, aber nichts gefunden. Selbst in der Nachkriegszeit bis in die 50 Jahre wurde mehrmals gegraben. Wiederum ergebnislos.
J.Große machte 2002 mit Freunden eine Golfreise nach Wales. In einem PUB in Albergavenny wurden wir von einem älteren Gentleman angesprochen, der uns wohl als Deutsche erkannte. Aus welcher Stadt wir wohl kämen, fragte er. Kiel war die Antwort. Oh, Kiel sei ihm aus mehreren Besuchen bekannt. Wo er denn gewohnt habe, fragten wir. “Ich habe da nicht wohnt, ich habe Bomben auf die Ubootswerften geworfen, aber nicht freiwillig, die Engländer haben mich dazu gezwungen”.
Wir schieden nach mehreren Pint als Freunde."
Mittwoch, 19.05.1943
(1) 123 B-17 - Bomber sind aufgestiegen mit dem Ziel der U-Boot-Werft in Kiel. 103 Maschinen bombardierten das Ziel zwischen 13.29 - 13.33 Uhr. 6 B-17 - Bomber wurden abgeschossen, 28 weitere beschädigt.
(2) Alle Sperrballons sind hoch, es ist vernebelt. Sehr viel Theaterpublikum mußte im Schutzraum untergebracht werden. Mehrere feindliche Flugzeugeüber Kiel.
(3 )Mittwoch. Mittag wieder mal Großangriff. Ununterbrochen rauschte und rummelte es über uns hinweg, blauer Himmel, heller Sonnenschein. Wieder geschlossener Verband in großer Höhe. Bald sehen wir in Richtung Rönne, es war nachher ...(?) bis Elmschenhagen, Kiel dicken Rauch aufsteigen, diesmal haben sie die Umgegend von Kiel schwer getroffen.(...)79 Sprengbomben. 6 Bauern abgebrannt, 13 Tote, Meimersdorf 80 Bomben. Auf Elmschenhagen rund 50, Neuland 8. Schulensee soll schwer getroffen sein. Klausdorf wurde mit Brandbomben besät. Es brannte ab Pfeff, Meierei Schnack, Ernst Voß (Bauer), (...) die alte Schule, Bauer Otto Schnack, Stellmacher Bartsch. (...) In Elmschenhagen brannte es am Barackenlager, die alte Post wurde von einer Sprengbombe getroffen und anderes mehr.28 Flugzeuge sollen hier gewesen sein. 300 sind eingeschlagen gewesen. 5 Flieger sind abgeschossen, davon 1 bei Schlüsbek, da er sich wehrte, wurde er mitsamt einem herbeinahenden französischen Gefangenen sofort erschossen von einem Schlüsbeker.

Sonntag, 13.06.1943
(1) 76 B-17 - Bomber flogen nach Kiel, mit dem Ziel Germania-U-Bootwerft, 60 trafen das Ziel.22 Maschinen verloren, 24 beschädigt. 3 Besatzungsmitglieder getötet, 20 verwundet und 213 vermißt. Größter Angriff von (deutschen)Jägern bis heute gegen die 8. Air Force gezählt.
(2) Auf dem Wege war heftiges Flakfeuer zu beobachten. Es sollen ca. 80 Flugzeuge eingeflogen sein, wovon 48 Kiel angriffen. Eine größere Anzahl Sprengbomben wurde abgeworfen, die hauptsächlich im Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf Häuser zerstörten oder beschädigten und ca. 400 Personen obdachlos machten. 28 Tote sind zu beklagen. In Raisdorf haben die feindlichen Flieger den dort haltenden Lübecker Zug angegriffen. Das kostete auch einige Tote und ca. 50 Verletzte. Dieser Fliegerangriff am Pfingstsonntagmorgen brachte viel Kummer und Sorgen in manche Familie.
(3) Am 1. Pfingsttag morgens halb zehn ging es wieder los. Damit hatte niemand gerechnet. Raisdorf bekam den ersten Segen. 2 Bomben, eine Wasserwerk, eine bei Langmaak Haus und Stall zerstört. Franz Betschka war gerade auf Urlaub hier, wurde am linken Bein schwer verletzt, war auf dem Weg nach Hause. 3 Bomben bei Ladehofs Teich. 3 in Wilhelms Garten, vollständig verwüstet. 1 Bombe neben der Bahn aufs Gleis, wie gerade der Zug hielt. Ein wahres Blutbild wurde unter den Fahrgästen angerichtet. Man sagt 7 Tote und über 50 Verletzte. Dann links und rechts vom Fernsichtweg auf den Koppeln große Trichter, auf dem Fernsicht, und Grundstück 4 Bomben, eine halb vom Haus, der Platz ist schwer mitgenommen. Und dann das Schwentinetal von einem bis zum anderen mit Trichtern übersät. Dort sollen 90 Bomben gefallen sein mit denen von Raisdorf sind es bestimmt 100. Die Werke haben sie treffen wollen, ging diesmal noch daneben. Das schöne Schwentinetal ist ganz verschandelt. Dann Dietrichsdorf, Wellingdorf, Laboe beworfen. 36 Tote standen in der Zeitung.
Sonntag, 25.07.1943
(1) 59 B-17 - Bomber gegen die Kieler Schiffswerft. Abbruch wegen zu starker Bewölkung.
(2) Die Ballone waren hoch, und es war vernebelt. Hedwig und ich gingen in Düsternbrook spazieren. Beim ertönen der Sirenen suchten wir den Schutzraum des Luftgaukommandos am Hindenburgufer auf. Es waren ca. 30 Flugzeuge über Kiel. Zeitweise hatten wir lebhaftes Flakfeuer. Eine größere Anzahl Spreng- und Brandbomben wurde abgeworfen. Mehrere Häuser wurden zerstört bzw. beschädigt, z.B. Klinik Dr. Kaerger, Lorenzendamm, Küterstraße, Markt, Ahlmannstraße, Blocksberg, Deutsche Werke, Peter-Hansen-Straße, Franziusallee, Schönberger Straße, Prinzenstraße und Klausdorfer Weg. 2 Flugzeuge und 2 Sperrballone wurden abgeschossen. 9 Tote sind zu beklagen.

Donnerstag, 29.07.1943
(1) 167 B-17 - Bomber und 1 YB-40 mit dem Ziel der Kieler Schiffswerften. 91 trafen die Schiffswerft um 09.01 Uhr und 48 Maschinen trafen weitere Ziele. 6 B-17 - Bomber abgeschossen und 64 beschädigt. 2 Besatzungsmitglieder getötet, 8 verwundet und 61 vermißt.
(2) Kurz nach Beginn des Alarms und später lebhaftes Schießen unserer Flak. Ungefähr 80 feindliche Flugzeuge griffen Kiel an und warfen eine größere Anzahl Spreng- und Brandbomben, u.a. auf die Kriegsmarinewerft, Deutsche Werke, Ellerbek und Neumühlen-Dietrichsdorf. Letzteres wurde besonders schwer getroffen. Dieser Angriff kostete wieder einige Tote.
Sonntag, 12.12.1943
(1) 367 B-17 - Bomber, 93 B-24 - Bomber flogen nach Kiel. Starker Frost und schlechte Sicht unterbrachen die Formation. Einige Maschinen trafen Kiel zwischen 12.45 - 13.17 Uhr. 4 B-17 - Bomber und 1 B-24 verloren
13. Dezember 1943
(Frau Gesche Richter - Zeitzeugin)
Mein Elternhaus in einem Kieler Vorort ist bei vorhergehenden Angriffen mal mehr, mal weniger beschädigt worden. Die Schulen sind zum Teil zerstört, zum Teil werden sie als Lazarett gebraucht. Ich mu§ eine Schule im Zentrum besuchen, wo mehrere Klassen verschiedener Schulen zusammengefaßt sind. Am 13. Dezember fuhr morgens noch teilweise eine Straßenbahn. Im Lehrerzimmer wurde der Drahtfunk abgehört. Mitten in den Unterricht platzt der Voralarm. Wir gehen klassenweise in einen etwa 300 Meter entfernten großen Hochbunker direkt hinter dem Rathaus. Es fallen viele Bomben, der Bunker scheint zu tanzen, die Einschläge dröhnen dumpf. Alle, Erwachsene und Kinder, hocken ängstlich auf den Bänken. Dann gibt es Entwarnung. Als wir aus dem Bunker kommen, brennt es überall. Wir laufen zunächst in unserer Schule, aber auch da brennt es. Wir werden aufgefordert, ein Taschentuch vor Mund und Nase zu halten und sollen versuchen, aus dem Nebengebäude der Schule, das noch nicht brennt, wo aber Türen und Fenster herausgerissen und drinnen auch Mauern teilweise eingestürzt sind, unsere Schultaschen aus den Trümmern zu holen. Ich finde meine auch, aber dann blieben wir uns selbst überlassen und mußten versuchen, nach Hause zu kommen. Ein Stück nahm mich der Vater einer Klassenkameradin mit, aber dann mußte ich allein, an brennenden oder eingestürtzten Häusern vorbei, durch Qualm und über Trümmer meinen Weg suchen. Überall versuchten die Leute, noch etwas aus ihren Häusern zu retten, aber es lagen da auch Verletzte, die verbunden wurden, und tote Menschen. Diesen Weg durch die brennende Altstadt, durch Qualm, der in die Augen biß und das Atmen schwer machte, über Staub, Schutt und Trümmer, vorbei an Menschen, die zu retten versuchten, was noch zu retten war, ist für mich ein schlimmes Erlebnis gewesen. (Quelle: http://www.jf-archiv.de)
Dienstag, 04.01.1944
(1) 371 B-17 - Bomber und 115 B-24 - Bomber mit dem Ziel des Kieler Hafenbereiches. 7 B-17 und 34 B-24 trafen weitere Ziele. 11 B-17 und 6 B-24 verloren,113 B-17 und 19 B-24 beschädigt. 22 Tote Besatzungsmitglieder, 53 wurden verwundet und 170 vermißt.70 P-38- und 42 P-51 - Jäger eskortierten die Bomberstaffel. 1 P-38 und 1 P-51 abgeschossen, 1 P-38 beschädigt. 1 Verwundeter und 2 vermißte Besatzungsmitglieder.
(2) Es war vernebelt. Eine größere Anzahl feindlicher Flugzeuge griff Kiel an. Diesmal fielen die Spreng-und Brandbomben hauptsächlich auf den nördlichen Teil der Stadt. So sind z.B. in der Preußer-, Lornsen-, Adolf-, Holtenauer-, Waitz- und Gerhardstraße sowie in der Beseler Allee, Breiter Weg und Langersegen, mehrere Häuser zerstört bzw. schwer beschädigt. Ebenfalls hat das Oberfinanzpräsidium 2 Volltreffer bekommen, wobei mehrere Menschen ums Leben gekommen sind. Auch das Bekleidungsamt und das Gerichtsgebäude, Langersegen, sind ziemlich mitgenommen. Das Schloß, der Westbahnhof und die Nordostseehalle wurden schwer beschädigt bzw. zerstört. Unsere Stadthauptkasse wurde durch einen Phosphorkanister beschädigt. In der Schule Philosophengang sind ungefähr 45 Tote durch Volltreffer zu beklagen.
(3) Am 4. zogen sie über uns, mindestens 5-6 Wellen hinweg, unheimlich war das. Über 2 Stunden dauerte der Angriff.

"Das brennende Kiel" (05.01.1944)
(Herzlichen Dank an den Zahnarzt Herrn Dr. Hannes Voss, Kronshagen, für die Bereitstellung dieser Aufnahme!
Das Bild wurde von seiner Mutter kurz nach dem Bombenangriff am 05.01.1944 vom Ostufer / Gaarden) gemalt. Die Kopie befindet sich in der Zahnarztpraxis von Dr. Voss, Kronshagen)
Mittwoch, 05.01.1944
(1) 119 B-17 - Bomber und 96 B-24 - Bomber trafen die Schiffswerft und das Industriegebiet von Kiel, weitere 10 Maschinen bombardierten andere Ziele.5 B-17 und 5 B-24 - Bomber abgeschossen, 64 B-17 und 16 B-24 beschädigt. 36 tote Besatzungsmitglieder, 5 Verwundete, sowie 100 Vermißte.Diese Mission wurde eskortiert von 70 P-38 und 41 P-51 - Jägern. 7 P-38 abgeschossen, 7 Besatzungsmitglieder vermißt.
(3) Am 5. wieder um die Mittagszeit, zogen sie seitwärts an uns vorbei in sehr großer Höhe, es brummte natürlich wieder gewaltig. Die in Kiel angerichteten Schäden waren noch größer als die am Vortage.
Freitag, 19.05.1944
(1) 49 von 588 B-17 - Bomber trafen den Kieler Hafenbereich, 1 Maschine traf ein weiteres Ziel.
(2) Mehrere Hundert feindliche Flugzeuge waren in die Provinz eingeflogen, wovon ca. 50 Bomber Kiel angriffen. Sie warfen ca. 300 Spreng- und eine Anzahl Brandbomben ab.U.a. wurden zerstört bzw. beschädigt: das Ernährungsamt, Fleethörn 25, das Rathaus an der Ecke Fleethörn / Rathausstraße, der Schwertträgerbrunnen auf dem Adolf-Hitler-Platz, die Reichsbank, die Stadtbücherei und das Oberlandesgericht am Lorenzendamm, die Universität, das Antoniusheim in der Muhliusstraße, Häuser in der Rathausstraße, Dammstraße, Ziegelteich, Schülperbaum 14, Knooper Weg, Brunswiker Straße, das Stadtkaffee in der Karlsstraße, das Wehrbezirkskommando in der Holstenstraße und die Germaniawerft. Beim Rathaus handelt es sich um 3 Korridoreinstürze, wobei Herr Danker von der Stadtplanung vor Zimmer 3 ums Leben kam. Frau Stephan und Tochter, die sich gerade im Rathaus befanden, suchten Schutz im Turmzimmer 163. Der Angriff forderte ungefähr 25 Todesopfer. Nach der Vorentwarnung noch einmal Alarm mit starkem Flakbeschuß. Der Sanitätstrupp ist am 19. Mai von Zimmer 20 nach Zimmer 76 und 77 im Turm umgezogen.
(3) 25 Bomber flogen Kiel an, haben allerhand angerichtet. Talotmuseum, Kinderklinik, Dr. Reher-Klinik, Universität, Kaiserkaffee und gegenüber die Ecke. Muhliusstraße, Germaniawerft, Maschinenhalle, Verwaltungsgebäude usw. Die Opfer sind erfreulicher Weise diesmal gering, doch es langt für diesmal, wird gesagt.
Montag, 22.05.1944
(1) 342 B-17 - Bomber mit dem Ziel des Kieler Hafengebietes. 289 trafen das primäre Ziel, 5 Maschinen trafen weitere Ziele. 5 B-17 abgeschossen, 210 Maschinen beschädigt.4 Besatzungsmitglieder getötet, 3 verwundet und 78 vermißt.
(2) Eine größere Anzahl feindlicher Seeminenflugzeuge ist eingeflogen und vermint die Ostsee. Zeitweise lebhaftes Flakfeuer. Mehrere nordamerikanische Bomberverbände griffen Kiel an. 20 Minuten nach Auslösung des Alarms fielen die ersten Spreng- und Brandbomben. Starker Beschuß besonders durch die schwere Flak. Es wurden u.a. zerstört oder beschädigt: das Rathaus durch Brandbomben im Dachgeschoß beim Tiefbauamt, das Stadttheater, die Sparkasse und die Kinderklinik am Lorentzendamm, das Arbeitsamt, die Lehrmeierei, das Intendanturgebäude in Düsternbrook, wo ca. 15, sowie das Bekleidungsamt Langer Segen, wo ca. 33 Menschen ums Leben kamen, ferner Häuser in der Rathaustraße, Knooper Weg, Kehden-, Holsten-, Küterstraße, Lorentzendamm, Schloßgarten, Brunswiker Straße, Markt, Dänische Straße., Schuhmacherstraße, Flämische Straße., die Persianischen Häuser und die Nikolaikirche, Dahlmannstraße, Koldingstraße, Karl-, Preußer- und die Christianistraße. Außerdem haben die Stadtteile Ellerbek und Wellingdorf, sowie die Deutschen Werke und die Howaldtswerke sehr gelitten. Durch den starken Wind griff das Feuer sehr schnell um sich. Es mußten viele Feuerwehren von außerhalb hinzugezogen werden. Bei der Straßenbahn müssen mehrere Linien für längere Zeit den Betrieb einstellen. Gas, Wasser und Licht gibt es in vielen Haushaltungen für mehrere Tage nicht. Im ganzen wurden ungefähr 600 Spreng- und mehrere tausend Brandbomben auf das Kieler Stadtgebiet abgeworfen. Dies wird wohl bisher der größte und schwerste Angriff auf unsere Gauhauptstadt gewesen sein.
(3) Mittags der schwerste Angriff den Kiel je erlebt hat, ein erheblicher Schaden wurde angerichtet von der Ringstraße bis zum alten Markt und von Eros bis zur Schloßbrauerei überall Feuer. Unter anderem die schöne Sparkasse am kleinen Kiel, Jacobsen am Markt, Hof-, Alte Rats- und Schwanenapotheke, verschiedene Klinikgebäude, mehrere Kirchen, Kaiser-Wilhelm-Stift am Knooper Weg u.v.a. In der Brunswikerstraße kam Wilhelmine Lepthien ums Leben im Keller.

Die Howald-Werke im Jahre 1945 (Quelle:http:www.hdw.de)
Donnerstag, 06.07.1944
(1) 229 von 262 B-24 - Bomber bombardierten das Hafengebiet von Kiel. 1 Maschine traf ein weiteres Ziel. 3 B-24 verloren, 106 beschädigt. 8 Besatzungsmitglieder verwundet und 22 vermißt. Eskortiert wurden die Maschinen von 168 P-51 - Jägern, wovon 1 Maschine abgeschossen und der Pilot vermißt wird.
(2) Ungefähr 300 - 400 feindliche Flugzeuge haben den Kieler Raum angeflogen und ihre Bombenlast trotz der guten Vernebelung über der Stadt abgeladen. Neben einer größeren Anzahl Spreng- und Brandbomben wurden auch Flugblätter abgeworfen. Nach der Entwarnung war der Himmel schwarz von Qualm und Rauch. 49 Todesopfer forderte dieser Angriff; zahlreiche Gebäude wurden zerstört bzw. beschädigt, u.a. in der Annenstraße, Jungmann-, Holtenauer-, Adolf-, Tirpitz-, Esmarch-, Moltkestraße, Sophienblatt, Königsweg, Papenkamp, Wilhelmplatz, Knooper Weg, Straße. der SA, Jess-, Ring-, Boninstraße, Schützenwall, Gellertstraße, Winterbeker Weg, Kirchhofallee, Paul-Flemming-Straße, Bellmannstraße, Eichhofkaserne, Hasselmannstraße, Düvelsbeker Weg, Lehmberg, Teichstraße, Niemannsweg, Reventlouallee, Gerhardstrasse, Waitzstraße, Ellerbek, Neumühlen-Dietrichsdorf, das Institut für Weltwirtschaft und Seeverkehr, Howaldtswerke, Deutsche Werke, die Holzhandlung Ahrens, Bartels & Langness, Alte Weide.Die Straßenbahn und Omnibusse können in den nächsten Tagen den Verkehr nur beschränkt aufrechterhalten. Mehrere Wasserwagen aus Hamburg sind eingetroffen. Heute hat Herr Fahje, früher "Stadt Hamburg", wieder DM 100,00 versprochen, also bis jetzt insgesamt DM 200,00 , für eine Feier beim Friedensschluß für die ständige Rathauswache.
Dienstag, 18.07.1944
(1) 107 B-24 - Bomber trafen das Kieler Hafengebiet, 55 Maschinen griffen die Öl-Raffinerie in Hemmingstedt an. Eskorte flogen 48 P-38 und 84 P-51 - Jäger, ohne Verluste.
(2) Nachdem der Nachtalarm ruhig vorüberging, weil der Angriff auf Berlin ging, besuchten die feindlichen Flieger heute morgen Kiel. Es war vernebelt. Ca. 120 Bomber griffen die Stadt an und bekamen zeitweise heftiges Flakfeuer. Ungefähr 20 Minuten nach dem Alarm fielen die ersten Bomben, und zwar wurden ca. 700 Spreng- und 200 Brandbomben abgeworfen. Der Schützenpark ist wie umgepflügt, rd. 50 Trichter wurden gezählt. Häuser wurden zerstört bzw. beschädigt, u.a. Bahnhofshotel Sophienblatt, Germaniawerft, Deutsche Werke, Schulstraße, Johannes-, Elisabeth-, Hügelstraße, Anlegebrücke der Fähre auf der Gaardener Seite, Arsenal, Ellerbek, Howaldtswerke, Bohn & Kähler, Kirchhofallee, Gerichtsgebäude, Schützenwall, Ring-, Bonin-, Dänische Straße, die Apotheke in der Fleethörn, Knooper Weg, Prinz-Heinrich-Straße, Prinz-Heinrich-Brücke, Flugplatz Holtenau, Walther & Co., Projensdorfer Straße, Hindenburgschule, Stadtfeldkamp, Stadtkloster, Harmsstraße, Luther-, Lüdemann-, Gellert-, Zastrowstraße und Hasseldieksdammer Weg. Straßenbahnen und Omnibusse müssen wieder einmal den Verkehr z.T. einstellen.
(3) Wieder ein Großangriff. auf Kiel. Morgens gegen 8 Uhr gab es schon Alarm, bis halb 12 dauerte es, es gab mal Vorentwarnung und dann noch 2x Vollalarm. Wir haben hier gar nicht so viel davon gemerkt. Hier ging ein paarmal ein Verband rüber, es wurde heftig geschossen und weiter haben wir nichts wahrgenommen. Es sind nur Sprengbomben geworfen worden, zum Teil 4-5 zusammengekoppelt, hörte ich heute v. Dr. Rüske, dagegen ist kein Keller mehr sicher. Gegend Schützenpark soll Loch an Loch sein. Bombenteppich ebenfalls auf Deutsche Werke. In 33 Straßen sind Schäden verursacht. Auch Menschenverluste. Auch im Ostseeraum Angriffe am Tage und in der Nacht (Westdeutschland und Berlin)
Freitag, 04.08.1944
(1) 89 B-24 - Bomber trafen Kiel, 39 trafen das Husumer Flugfeld, weitere B-24 bombardierten erneut die Öl-Raffinerie in Hemmingstedt.
(2) Zwei Stunden nach Auslösung des Alarms wird Anflug auf Kiel gemeldet, und nur 2 Minuten später fallen die ersten Bomben. Besonders getroffen werden die Kasernen in der Wik, die Gasanstalt, Walther & Co. und das Schleusengelände. Außer Sprengbomben werden Strahlstabbrandbomben mit Zeitzünder abgeworfen. Bei dem zweiten Alarm handelt es sich um Rückflüge aus dem Raum Pommern und Mecklenburg.
Sonntag, 06.08.1944
(1) 58 B-24 - Bomber bombardierten den Marine-Stützpunkt in Kiel
(2) Ungefähr 150 Flugzeuge unternahmen einen Angriff auf die Schleusen, Marineanlagen und den Flugplatz. Mehrere hundert Sprengbomben und einige zehntausend Brandbomben wurden abgeworfen und trafen den Stadtteil Wik, die Kasernen, die Gasanstalt, Zerssen & Co., die Prinz-Heinrich-Brücke sowie die Fa. Walther & Co. Während des 2. Alarms fielen einige Sprengbomben in Holtenau.
(3) Sonntagvormittag gegen 10 nach 1 Uhr Vollalarm. (...) Wir haben von Bomben nichts gehört. Doch die Wik soll schwer was abbekommen haben, wieder das Gaswerk getroffen. Kiel ist noch vom großen Angriff vor 3 Wochen ohne Gas, teilweise ohne Licht u. Wasser.
Donnerstag, 24.08.1944
(1) 43 von 52 B-24 - Bomber griffen die Walther-Werke in Kiel an. 3 weitere Maschinen trafen das Fluggelände in Hemmingstedt, 2 Maschinen trafen weitere Ziele.2 B-24 verloren, 33 beschädigt. 27 Besatzungsmitglieder vermißt. Eskortiert wurden die Maschinen von 17 P-51 - Jägern, ohne Verluste.
(2) Es war vernebelt. Um 11.30 Uhr flog ein feindlicher Verband Kiel an und warf Spreng- und Brandbomben ab. Beschädigungen sind entstanden bei Walther & Co. und in der Funkschule am Tannenberg.
Mittwoch, 30.08.1944
(1) Spät am Tage griffen 637 B-17 - Bomber die U-Boot-Basis und Schiffswerft in Kiel an.
(2) Wir haben regnerisches Wetter. Auf dem Wege zu dem Bunker schon Flakfeuer. Bombenabwurf am Bahnhof Hassee, Gärtnerstraße, Hasseer Straße, Saarbrückenstraße, Alte Lübecker Chaussee, Baracken auf der Moorteichwiese, Braustraße, Rendsburger Landstraße, Hamburger Chaussee, Gasometer am Rondeel, Röntgen-, Brommy-, Norddeutsche-, Gaus-, Gebhardstraße, Hollwisch, Ellerbeker Markt, Wohnschiff S. Louis, Deutsche Werke. Außerdem sind die Feinmechanischen Werkstätten in Neumühlen - Dietrichsdorf stark beschädigt. Wieder sind einige Tote zu beklagen.
(3) Nachmittags, 3-5 schon wieder schwerer Terrorangriff auf Kiel. Hassee, Winterbek, Schulensee, Hamburger Chaussee, Wik, Ellerbek, Dietrichsdorf wurden besonders schwer getroffen. Gut Schrevenborn brannte vollständig ab.
Sonntag, 11.03.1945
(1) 1256 B-17 - Bomber und 814 P-51 - Jäger griffen die U-Boot-Werft und Schiffswerften in Kiel und Bremen, sowie die Raffinerie in Hamburg an. 1 B-17 und 4 P-51 verloren.344 B-24 - Bomber griffen die Krupp-, Germania- und U-Boot-Werft in Kiel an. 2 B-24 beschädigt. 232 P-47 - und P- 51 - Jäger eskortierten den Angriff. 1 P-51 verloren.
(2) Am Sonntagmittag nach längerer Pause wieder einmal ein Angriff. Mehrere Wellen feindlicher Flugzeuge warfen eine Anzahl Spreng- und besonders Brandbomben ab. Getroffen wurde hauptsächlich Süd-Kiel, die Innenstadt und das Ostufer. Häuser wurden zerstört oder beschädigt. Einige Bomben fielen auch wieder auf das Rathaus. Die Vereinsbäckerei brannte, und vor dem Perlebunker brannten mehrere Kinderwagen.
Dienstag, 03.04.1945
(1) 752 B-17 - Bomber und 569 P-51 - Jäger griffen die U-Boot-Werft in Kiel an. 2 Bomber und 4 Jäger verloren. 693 B-17 - Bomber griffen die deutsche U-Boot-Werft, 24 Bomber die Howaldt-U-Bootwerft an. 98 P-51 - Jäger überflogen den Kieler Bereich, 1 Maschine beschädigt.
(2) Heute hatten wir bei schönem Wetter einen schweren Angriff zu bestehen. Zuerst kamen einige feindliche Flugzeuge und umkreisten die Stadt, dann folgten mehrere Wellen feindlicher Bomber und warfen unablässig Luftminen, Spreng -und Brandbomben. Vom Rathausturm aus wurden 42 Bombenteppiche gezählt. Nach der Entwarnung bot sich uns ein furchtbares Bild. Die Schäden aufzuzählen ist unmöglich. Besonders die Werften und der Stadtteil Neumühlen - Dietrichsdorf wurden schwer getroffen. Auf den Deutschen Werken wurden 70, auf der Germaniawerft 50 Sprengbomben gezählt. Mehrere Kriegsschiffe und sonstige Fahrzeuge wurden schwer getroffen, u.a. erhielt der schwere Kreuzer "Amiral Hipper" 2, und die "Emden" 1 Treffer. Die Straßenbahn ist natürlich auch erledigt, ein großer Teil der Omnibusse ist ausgefallen, also ist es mit den Verkehrsmitteln erstmal endgültig aus. Gas, Wasser und Licht gibt es nicht. Ein ganz besonderes Unglück hatten wir noch bei diesem Angriff. Eine Sprengbombe verschüttete den Eingang des "Moltke-Stollens". In dem Stollen waren mehrere Öfen geheizt. Durch den Luftdruck und den verschütteten Eingang fanden ca. 230 Menschen den Tod durch Kohlenoxydgase. 20 Personen kamen im "Lessing-Bunker" ums Leben, der einen Volltreffer erhielt.
Mittwoch, 04.04.1945
(1) 505 B-17 - Bomber trafen die Deutsche Schiffswerft, 2 weitere Maschinen griffen den Flugplatz in Eggebek an. 3 B-17 verloren und 50 beschädigt. 27 Besatzungsmitglieder werden vermißt.
(2) Gestern Nachmittag hatten wir erst den schweren Angriff zu ertragen und heute morgen 08.34 Uhr schon wieder Großalarm und ein furchtbarer Angriff. Mehrere Wellen feindlicher Flugzeuge brachten Tod und Verderben durch Abwurf von Luftminen, Spreng -und Brandbomben. Wir hatten Gewitter. Donner und Blitze und Bombenabwürfe wetteiferten miteinander, ein schauriges Schauspiel. Vom Rathaus wurden 34 Bombenteppiche gezählt. Alle 3 Werften sowie die Stadtteile Gaarden und Ellerbek wurden schwer heimgesucht. Kiel wird immer mehr eine Stadt der Trümmer. Der Angriff hat 26 Menschenleben gefordert. Auf dem Kasernenhof in Gaarden war ein Brotwagen der Vereinsbäckerei mit dem Pferd durch eine Sprengbombe vollkommen vom Erdboden verschwunden.