Ostsee


Boeing B-17   #42-29940

Absturzdatum 13.06.1943  
Crew
Absturzzeit ca. 0930 Uhr   Lt. Andrew Loog, Pilot, KIA
Absturzursache Vermutlich durch Jäger   2Lt. Robert W. Campbell, Co-Pilot, POW
Flugzeugtyp Boeing B-17F-80-BO   2Lt. Francis J. McGee, Navigator, KIA
Seriennummer 42-29940   Lt. George M. Hale Jr., Bombenschütze, KIA
Rufzeichen XM-?   Sgt. Eugene J. Walczynski, Heckschütze, KIA
Besatzung 10 Mann (9KIA 1POW)   Sgt. Richard M. Himes, Funker, KIA
MACR 16200   Sgt. Edward C. Lane, MG-Schütze Bauchkanzel, KIA
Einheit 94BG 332BS   Sgt. Howard W. Payne, MG-Schütze links, KIA
Startflugplatz Earls Colne (England)   Sgt. Scott J. Wilson, MG-Schütze rechts, KIA
Startzeit -   Sgt. Richard C. Russell, MG-Schütze Turmkanzel, KIA
Herkunftsland USA    
 

Der 13.06.1943 (Pfingstsonntag) war für die amerikanische Airforce ein schwarzer Tag. Von 120 Maschinen, die an diesem Tag ihren dritten Tages-Großangriff auf Kiel flogen, fielen alleine im Großraum Kiel 7 Bomber der deutschen Abwehr zum Opfer. Laut Kriegstagebuch der Marineflakbrigade flog der Bomberpulk bereits um 0850 Uhr aus nordwestlicher Richtung auf Helgoland zu, gingen dann über Helgoland und erreichten um 0915 Uhr die schleswig-holsteinische Westküste im Bereich Eiderstedt und Dithmarscher Bucht. Der Kurs führte in "aufgeschlossener Kolonnenformation" weiter über den damilgen Kaiser-Wilhem-Kanal (heute Nord-Ostee-Kanal) zwischen Grünthal und Hochdonn, ging in den Raum "dicht westlich" Neumünster und von da aus vom Süden und Südosten her zum Angriff auf Kiel. Der Angriff wurde bei ziemlich starker Haufenbewölkung (4/10 - 9/10 , Wolkenhöhe zwischen 600 und 800m) aus einer Höhe von 8000m durchgeführt.
Die erste Einfluggruppe (etwa 60 Maschinen) erreichte Kiel um 0930 Uhr und flog in sieben dicht aufeinander folgenden Staffeln über das Ostufer von Stadt und Hafen nach Norden. Hierbei fielen Bomben im "Teppichabwurf" auf Neumühlen-Dietrichsdorf, Mönkeberg, Laboe und nördlich von Stein in die See. Über der Kieler Außenförde wurde der Verband durch starke Jagdabwehr auseinander gesprengt so daß der größere Teil in Richtung Langeland abflog, während ein kleinerer Teil nach Osten und Südosten bis zur Howachter Bucht gedrängt wurde und hier mit Abflug nach Nordwesten drehte (Bei diesem Großangriff auf Kiel starteten am 13.06.1943 insgesamt 163 deutsche Jagdflugzeuge zur Abwehr der Feindmaschinen).
Die zweite Einfluggruppe (ebenfalls etwa 60 Maschinen) folgte der ersten nach etwa 3-4 Minuten und ging - wahrscheinlich infolge ostwärtiger Verlagerung der Leeseite des Nebelpilzes durch verhältnismäßig starken Westwind und infolge Bedrängung durch Jagdflugzeuge - südöstlich Kiel vorbei über den Selenter See zur Howachter Bucht und drehte südlich Langeland ebenfalls zum Abflug nach Westen. Die Bombenabwürfe dieser Gruppe lagen im Raum Raisdorf-Preetz, wahrscheinlich auch als Notabwürfe in der Howachter Bucht. Die Abflüge beiden Gruppen erfolgten über den Raum nördlich und südlich Schleimünde in sich verbreitender Front nach Westen.
Ein zweiter gleich starker Verband, der den Kieler Angriffsverband in etwa 20 Minuten Abstand folgte, ging westlich Helgoland vorbei zum Angriff auf Bremen. Seine Abflüge führten über den Raum Wesermünde - Cuxhaven nach Nordwesten.

Im Herbst 2007 begann die Recherche zu einem dieser Abstürze nordwestlich von Neumünster, nachdem mich eine Familienangehörige des Piloten Lt. Andrew Loog um Hilfe bat den genauen Absturzort ausfindig zu machen. Bei meiner Recherche konnte der "Absturzort" dieser Maschine durch einen damaligen Augenzeugen relativ genau ermittelt werden. Aufgrund des mir vorliegenden Bildmaterials und den dort erkennbaren Umgebung (Bahntrasse und Waldrand) konnte die Suche vor Ort auf ein relativ kleines Gebiet reduziert werden.
Der Zeit- und Augenzeuge berichtete, das er damals als Jugendlicher gerade auf dem Weg war die Zeitung zu holen, als er den hoch über ihm vorbeiziehenden Bomberpulk entdeckte. Nur wenige Augenblicke später konnte er beobachten wie eine der Maschinen aus der Formation ausscherte und kurz darauf in der Luft explodierte. Was er damals noch nicht wußte, das die Trümmer der in mehrere Teile zerbrochene Maschine in einem Umkreis von mindestens 5 Kilometer auf die Erde stürzten. Als er damals hörte das unweit von seinem Elternhaus Trümmer eines an diesem Tage abgestürzten Flugzeuges entdeckt und wenig später geräumt wurden, ging er bisher immer davon aus, das es sich hierbei um die komplette Maschine handelte.

Die beiden folgenden Fotos zeigen die Trümmer vom Heck der Boeing B-17 auf deren Leitwerk deutlich die Seriennummer der Maschine zu erkennen ist. Auf dem unteren Foto inspiziert ein Luftwaffenangehöriger die Trümmer.

 

Nachdem der Eigentümer meine Recherche vor Ort genehmigt hatte, erfolgte die Sondierung und Suche nach den verbliebenen Trümmerteilen. Aufgrund der hohen Anzahl an Fundstücken mußte die Recherche und Kartierung auf drei Tage verteilt werden. Wie üblich waren auch hier nur etwa 5 - 10% der Fundstücke für eine Archivierung und Bestimmung zu verwenden. Die Auswertung der mit GPS gespeicherten Punkte eines jeden einzelnen Fundstückes ergab schließlich eine Übersicht über die Verteilung der Trümmerteile.

 

Neben den zahlreichen stark oxidierten Aluminiumteilen und mehreren Dutzend ausgebrannter Hülsen vom Kaliber .050 BMG (12x99mm) wurden auch einige gut und ein nahezu neuertiges Fundstück geborgen. Hierzu gehört die folgende aus Edelstahl hergestellte Scheibe deren genauen Verwendung bis heute noch nicht geklärt ist. Möglicherweise handelt es dich hierbei um ein Bauteil der Zwillings-MG-Steuerung der Bauchkanzel das verhindern soll in den Rumpf, Tragwerk, Leitwerk und Höhenruder zu schießen.