Angriffsschlußbericht über den Luftangriff auf Lübeck am 25.08.1944


Der Werkluftschutzleiter der "Berlin-Lübecker Maschinenfabriken" meldete am 04.09.1944 einen Angriffsschlußbericht über den Luftangriff auf Lübeck am 25.08.1944
Die unter anderem in diesem Bericht aufgeführten Namen von Personen, die während des geschilderten Bombardement ums Leben gekommen sind, werden zum Zwecke von Nachforschungen möglicher Familienangehöriger so widergegeben, wie sie im Bericht aufgezeichnet sind. Die Nachnamen derer Personen, die Verletzt oder Verwundet wurden, sind abgekürzt. Besondere Aufmerksamkeit wird hier auf die bei dem Angriff getöteten Ausländer gelegt, die zur damaligen Zeit als Fremdarbeiter oder Kriegsgefangene in den Berlin-Lübecker Maschinenfabriken als Arbeitskräfte eingesetzt waren.



Die Firmen "Berlin-Lübecker Maschinenfabriken"(*) und "Hannemann & Co." (**) hatten zur damaligen Zeit ihren Sitz in der Curt-Helm-Straße 29-35 in Lübeck und produzierte Waffen und Wehrmachtgeräte(*) und Stahlkonstruktionen (**).


Die folgenden Angaben beziehen sich auf den Stand vom 25.08.1944

Gefolgschaftsstärke (BLM-Werke)
3809
Deutsche Männer
1931
Deutsche Frauen
539
Ausländer (weiblich)
467
In Werkslägern untergebracht
Ausländer (männlich)
752
In Werkslägern untergebracht
Kriegsgefangene
120
Gefolgschaftsstärke (Hannemann & Co.)
320
Deutsche Männer
101
Deutsche Frauen
12
Ausländer (weiblich)
201
In Werkslägern untergebracht
Ausländer (männlich)
6
In Werkslägern untergebracht
Kriegsgefangene
-


Am 25.08.1944 war Dipl. Ing. Otto St. in den "Berlin-Lübecker Maschinenfabriken" den Werkluftschutzleiter und wurde ab 12.40 Uhr von dem Betriebsleiter Robert K. in seiner Funktion unterstützt.
Als Hilfskräfte und Erkunder wurden 7 Fernmelder, 7 Melder, 2 Werkbeobachter und 18 Werkfachkräfte, zur Brandbekämpfung 2 Löschgruppen mit je 1 TS 8 (18 Mann), 1 schwere Löschgruppe mit 1 LF15 (9 Mann) und 3 Schnelllöschtrupps (27 Mann), eingesetzt. Zum ersten Aufräumen von Bombenschäden und zur Verhütung von Einstürzungen wurden 4 Wiederherstellergruppen (36 Mann) eingesetzt. Der Werkrettungsstelle wurden 1 Assistentin, 2 Sanitäter, 1 Werkssanitätsgruppe (27 Mann), 4 Helfer und Helferinnen, ab 14 Uhr weiterhin 1 Arzt und ab 14.45 Uhr ein zweiter Arzt zugeteilt. Die Firma Hannemann & Co. stellte 1 Abschnittsleiter, 1 Melder und 1 Werkluftschutztrupp mit 9 Mann.

Der Bombenangriff erfolgte laut Bericht von 12.14 Uhr bis 12.17 Uhr. Während dieses Angriffes wurden 40 Stabbrandbomben, 1 Flüssigkeitsbrandbombe (mit Langzeitzünder) und 54 Sprengbomben (2 mit Langzeitzündern) auf beide Werke abgeworfen. Zur Brandbekämpfung kamen 54 Personen, zur Beseitigung von Sprengbomben- und Minenbombenschäden 82 Personen der Werkluftschutzkräfte der BLM-Werke, bei Hannemann & Co. 16 Personen zur Brandbekämpfung und 9 Personen zur Beseitigung von Bombenschäden, zum Einsatz.

Die Einschlagstellen im Werk und der Nachbarschaft werden wie folgt widergegeben:

1. Innerhalb des Grundstückes der Berlin-Lübecker Maschinenfabriken

Gebäude I 3 Sprengbomben
Gebäude II 1 Sprengbombe
Verbrennungsofen 1 Sprengbombe
Straßenkreuzung Südwestecke 1 Sprengbombe
Abortanbau Betrieb I 1 Sprengbombe
Gleisanlagen 4 Sprengbomben
Straßenkreuzung Nordwestecke Gebäude I 1 Sprengbombe
An der Trave (außerhalb der Umzäunung) 2 Sprengbomben
Fahrradstand (außerhalb der Umzäunung) 1 Flüssigkeitsbrandbombe (Blindgänger), 2 Sprengbomben
Curt-Helm-Straße bei Turm II 1 Sprengbombe



2. Auf dem Grundstück der Firma Hannemann & Co.

Kalkgrube 1 Sprengbombe
Nordsüdhalle 3 Sprengbomben (1 Blindgänger)
Kranbahn 3 Sprengbomben
Hof 3 Sprengbomben
Westbaracke 2 Sprengbomben
Alte Halle 2 Sprengbomben
Curt-Helm-Straße (außerhalb der Umzäunung) 2 Sprengbomben
Schräbergärten (jenseits der Curt-Helm-Straße) 7 Sprengbomben
Ausländerlager und seiner näheren Umgebung 14 Sprengbomben (1 Blindgänger), 40 Stabbrandbomben


 


Die laut Schlußbericht beschriebenen "Personenschäden" sind imens, in beiden Werken wurden durch den Bombenangriff 49 Personen getötet, 39 Personen schwer verletzt und 49 Personen leicht verletzt. In der folgenden Liste werden die bei dem Angriff ums Leben gekommenen Personen mit den in dem Bericht erwähnten Abgaben aufgeführt. Die kompletten Angaben (Vorname, Name, Wohnhaft und Geburtsdatum) sollen es den Familienangehörigen ermöglich mehr über das Schicksal ihrer Verwandten zu erfahren. Bei den verletzten Personen werden die Nachnamen abgekürzt, bei den ausländischen Verletzten werden auch hier komplette Angaben übernommen.

BLM-Werke
Gefallene 13 (9)* 2 Ausländer (0)*
Schwerverletzte 5 (3)* 1 Ausländer (0)*
Leichtverletzte 40 (33)*
Hannemann & Co.
Gefallene 18 (0)* 16 Ausländer (0)*
Schwerverletzte 18 (0)* 15 Ausländer (0)*
Leichtverletzte 6 (0)* 3 Ausländer (0)*


(*In Klammern gesetzte Zahlen entsprechen der Anzahl der im Werkluftschutzeinsatz verunglückten Personen)


Gefallenene Personen der BLM-Werke

Personenangaben
Im Werk eingesetzt als
Bemerkungen
Wilhelm V., geb. 28.02.1891 in Fackenburg, Wohnhaft in Stockelsdorf
(Hilfsmeister) Feuerlöschtrupp
Josef W., geb. 21.12.1891 in Offenburg, Wohnhaft in Lübeck-Walddorf
(Fräser)
Wilhelm T., geb. 15.10.1905 in Schönberg, Wohnhaft in Lübeck
(Schäfter) Wiederherstellertrupp
Verstorben im Krankenhaus Lübeck
(linkes Bein oberhalb des Knies abgerissen)
Max Sch., geb. 26.01.1908 in Lübeck, Wohnhaft in Lübeck-Brandenbaum
(Wachmann)
Albin R., geb. 03.06.1885 in Ölsnitz/Sa., Wohnhaft in Niederbüssau
(Einrichter)
Franz L., geb. 26.03.1904 in Lübeck, Wohnhaft in Schönböcken
(Einrichter)
Feuerlöschtrupp
Verstorben im Krankenhaus Lübeck
(beide Füsse abgerissen)
Richard K., geb. 24.05.1896 in Lübeck, Wohnhaft in Lübeck
(Einrichter)
Feuerlöschtrupp
Arthur C., geb. 16.05.1909 in Vorwerk / Lübeck, Wohnhaft in Niederbüssau
(Elektriker)
Wiederherstellertrupp
Carl B., geb. 29.10.1876 in Gantenbeck, Wohnhaft in Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Walter B., geb. 29.06.1912 in Lohbrügge, Wohnhaft in Lübeck
(Laufrichter)
Brandwache
Franz N., geb. 14.10.1912 in Sereetz, Wohnhaft in Lübeck
(Rundschleifer)
Feuerlöschtrupp
Auf dem Transport ins Krankenhaus verstorben
(1 Bein abgerissen, innere Verletzungen)
Französin Févre Rebee, geb. 03.10.1920 in Paris, Wohnhaft in Lübeck
(Metallwerkerin)
Polin Anna Kucner, geb. 08.05.1920 in Zdunska-Wola, Wohnhaft in Lübeck (Lager Curt-Helm-Straße)
(Metallwerkerin)


 



Schwerverletzte der BLM-Werke

Heinrich W., geb. 22.11.1882 in Kiel, Wohnhaft in Lübeck
(Fahrradwächter)
Große Platzwunde am rechten Bein
Richard O., geb. 06.05.1900 in Kalkberg i./Mecklenburg, Wohnhaft in Lübeck
(Kraftfahrer)
Kraftfahrer im Luftschutz
Schwere Splitterverletzungen
Andreas K., geb. 22.11.1881 in Danzig, Wohnhaft in Lübeck
(Wachmann)
Werkschutz
Beide Trommelfelle geplatzt und innere Blutungen
KHD (Kriegshilfsdienst)-Maid Edit E., geb. 11.07.1926 in Hamburg, Wohnhaft in KHD-Unterkunft Stockelsdorf
(Metallwerkerin)
Mehrere Splitter- und Schnittverletzungen
Bruno U., geb. 24.01.1909 in Fordon/Bromberg, Wohnhaft in Lübeck
(Einrichter)


 



Gefallene deutsche Personen der Firma Hannemann & Co.

Helene K., geb. 08.04.1888 , Wohnhaft in Lübeck
(Angestellte)
Friedel V., geb. 11.04.1903 in Lübeck, Wohnhaft in Lübeck
(Vorarbeiter)




Gefallenene ausländische Personen der Firma Hannemann & Co.

Ostarbeiter
Scharif Minowac , geb. 1925 in Tadschikistan, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Iwan Holowyhun, geb. 03.07.1926 in Waskowtschyki, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Anton Kurta, geb. 07.02.1926 in Kurlowitze, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Grigori Krochmal, geb. 24.05.1924 in Shandalewka, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Nokolei Dibriwni, geb. 24.01.1925 in Kirikolka, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Alexander Klimenka, geb. 18.05.1919 in Krasolka, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Polen
Kasimir Potatczalo, geb. 01.09.1925 in Worzyn, Wohnhaft Lübeck-Siems, Lager am Stau
(Hilfsarbeiter)
Stefan Dziecielske, geb. 06.08.1920 in Waldwasser, Wohnhaft Lübeck-Siems, Lager am Stau
(Hilfsarbeiter)
Josef Lysiak, geb. 25.02.1906 in Bahrs, Wohnhaft Lübeck-Siems, Lager am Stau
(Hilfsarbeiter)
Ukrainer
Grigari Belokrulez, geb. 17.03.1915 in Bachnatsch, Wohnhaft Lübeck-Siems, Lager am Stau
(Hilfsarbeiter)
Foka Kisil, geb. 22.09.1887 in Strilmici, Wohnhaft Lübeck-Siems, Lager am Stau
(Hilfsarbeiter)
Andrea Schonenko, geb. 30.08.1896 in Njeshin, Wohnhaft Lübeck-Siems, Lager am Stau
(Hilfsarbeiter)
Wera Koloscha, geb. 10.10.1922 in Strilmici, Wohnhaft Lübeck-Siems, Lager am Stau
(Hilfsarbeiter)
Slipko Marko, geb. 25.12.1883 in Saparaka, Wohnhaft Lübeck-Siems, Lager am Stau
(Hilfsarbeiter)
Mikita Bogugzki, geb. 24.04.1895 in Brussach, Wohnhaft am Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Serbe
Filip Ziwanowic, geb. 1923, Wohnhaft Lübeck-Siems, Lager am Stau
(Zusammenbauer)


 



Schwerverletzte Personen der Firma Hannemann & Co.

Heinrich L., geb. 19.11.1900 in Kiel, Wohnhaft in Lübeck
(Vorhalter)
Heinricht W., geb. 06.08.1895 in Lübeck, Wohnhaft in Lübeck
(Vorhalter)
Semmet B., geb. 20.08.1902 in Teulkenik Kreis Elbing, Wohnhaft in Danzig (als Montageschlosser der Fa. Klönne aus Dortmund)
Ostarbeiter
Mischa Ostapchuh, geb. 16.06.1924 in Tereschky, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Viktor Maysimow, geb. 26.04.1927 in Leningrad, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Nikolei Sudarkin, geb. 03.12.1906 in Kalewskaja, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Jan Kobsar, geb. 10.03.1914 in Tichowity, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Nikolei Usatjuk, geb. 04.09.1923 in Kartschiskye, Wohnhaft im Lager Curt-Helm-Straße, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Ukrainer
Ladeslaw Bocheneck, geb. 21.03.1924 in Sopalyn, Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Alexandra Kisil, geb. 15.10.1926 , Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Hilfsarbeiterin)
Nikolei Bilousenko, geb. 02.07.1906 in Njeschne, Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Serbe
Predang Cukawic, geb. 16.09.1922 , Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Elektro-Schweißer)
Polen
Jan Marjewka, geb. 07.06.1922 in Marchewki, Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Heinrich Lewicki, geb. 23.10.1923 in Bartelstein, Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Alexander Piatkowski, geb. 03.02.1926 in Hohensalza, Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Boleslwa Laskawski, geb. 10.08.1913 in Kaniewo,Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Henryk Schnetanke, geb. 10.02.1927 in Sceletzka, Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Alexander Piatkowski, geb. 03.02.1926 in Hohensalza, Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Hilfsarbeiter)
Franzose
André Coué, geb. 23.12.1924 in Wannes, Wohnhaft im Lager am Stau, Lübeck
(Schweißer)

 



Die Sachschäden der Berlin-Lübecker Maschinenfabriken werden im Bericht ebenfalls sehr detailliert aufgeführt:

Gebäude I:
Luftdruck- und Splitterschäden, Außenmauer zerstört, Maschinehalle stark beschädigt, Maschinen teilweise zerstört, teilweise, auch durch Ölbrand, schwer beschädigt, Montagehalle vollständig zerstört, Büroräume größtenteils schwer, im übrigen leicht beschädigt. Im Hauptlager wurde die Dachkonstruktion zerstört, Verräte teilweise durch Trümmer beschädigt, Elektromaterial durch Brand vernichtet.

Gebäude II:
Luftdruckschäden an Decken und Wänden, Dachkonstruktion und Decke zwischen 1. und 2. Obergeschoß in einer Fläche von 640 qm zerstört, Maschinen teilweise zerstört, teil, auch durch Ölbrand, schwer beschädigt.

Gebäude III: Luftdruckschaden

Ufergarage: Luftdruckschaden

Verbrennungsofen: Vollständig zerstört

Baracken: 1 Baracke auf 15 m vollständig zerstört (leichtes Schadenfeuer), 3 Wellblechbaracken vollständig zerstört

Abortanbau (Betrieb I): vollständig zerstört, Hochspannungskabel und Feuerlöschringleitung zerschlägen

Rangiergleise: 2 Rangiergleise auf insgesamt 50 m Länge zerstört

Werkzaun: Zerstört

Fahrradstand: 50% vollständig zerstört. 300 Fahrräder vernichtet, 2 hölzerne Wachhäuser vollständig zerstört

Die Sachschäden der Firma Hannemann & Co. werden im Bericht wie folgt beschrieben:

Kalkgrube: zerstört

Gebäude III: Luftdruckschäden

Nordsüdhalle:
Luftdruckschäden, Dachkonstruktion zu 40% zerstört, erhebliche Schäden an Fertigteilen, Maschinen teilweise beschädigt

Kranbahn: Vernichtung von Teilvorräten (Stahlbleche)

Hof: Zaun zerstört, Vernichtung von Teilvorräten

Westbaracke: abgebrannt

Wohnbaracken:
4 Wohnbaracken (12,5 x 42 m) abgedeckt, 1 hölzernes Pförtnerhaus (4 x 6 m) zerstört, Luftdruckschäden an 6 weiteren Baracken


Die durch die Schäden verursachten Produktionsstörungen der BLM-Werke im Einzelnen:

Am 25.08.1944 konnte der Betrieb mit 20% wieder anlaufen, Produktionsstörung zu dieser Zeit 80%
Am 26.08.1944 morgens nur noch 60% Produktionsstörung
Am 27.08.1944 morgens ( 06.00 Uhr) nur noch 20% Produktionsstörung. Zeitdauer nicht abzusehen.





Der Zustand der Fa. Hannemann & Co. zum Angriff wird im Einzelnen beschrieben:

Schutzräume:
Der unter dem Gebäude I in der Mitte gelegene Schutzraum ist durch einen Volltreffer eingeschlagen worden. Die Decke war mit 20 cm starken Beton, eisenarmiert. Über dieser Decke befand sich in nur ca. 6 m Höhe das Dach aus 8 cm starken Bimsbetonplatten. Schutzräume dieser Art sind daher nicht mehr als ausreichend anzusehen.

Die Schutzräume, die unter den Fabrikationsgebäuden mit 3 eisenarmierten Betondecken von insgesamt 2000 kg Tragkraft liegen, sind durch Treffen in diessen Gebäuden nicht berührt worden. Besonders bewährt haben sich die Splitterschutzzellen, Bauart "Scheibe".

- In einer Entfernung von 8 m von dem Traveufer gelegenenen Zelle erfolgte ein Sprengbombeneinschlag, der lediglich den obersten Balken zerschlug, die Eisenbewehrung aber stehen ließ. Die Insassen dieser Zelle haben keine Verletzungen davon getragen.

- Die im Ostlager unmittelbar neben den durch Volltreffer (Einschlagsentfernung von der Zelle 4 m) gelegene Splitterschutzelle ist unberührt stehen geblieben und ohne weiteres weiter nutzbar. Die Insassen dieser Zelle waren nur kurze Zeit durch die Sprenggase in der Atmung behindert.

- Ein im Ostlager angelegter, aus eisenarmierten Beton hergestellter Splitterschutzgraben mit 2 m Sandaufwurf erhielt einen Volltreffer. Die Decke zeigt einen Querriß mit leichter Senkung (3 cm), die Wände zeigen nur geringfügige Risse. Nach Beurteilung durch den Bausachverständigen des örtlichen Luftschutzleiters, Baumeister T., kann der Deckungsgraben ohne Gefahr weiterbenutzt werden.


Wiederherstellung der Schlagkraft
Besondere Schwierigkeiten machte die Wiederherstellung der Schlagkraft des Werkluftschutzes;

- Die Beschaffung von Treibstoffersatz für Feuerlöschgeräte wurde aufgrund eines Merkblattes der Gauwirtschaftskammer bei dem Wirtschaftsamt zunächst vergeblich versucht, da es hierfür nicht zuständig ist. Es muß Sorge getragen werden, dass die Hinweise der verschiedenen Dienststellen gleichlautend und richtig sind.

- Die ordnungsgemäße Aufbewahrung und Bereitstellung des mit den Verletzten in den Krankenhäusern abgegebenen Sanitätsmaterials, wie Tragen, Schienen, Abschnürbinden usw., muß einwandfrei geregelt werden. Es ergibt sich sonst die Folge, dass diese wichtigen und für den nächsten Angriff unersätzlichen Hilfsmittel lange gesucht und unter Umständen aus den Mülleimern der Krankenhäuser wieder herausgezogen werden müssen.

- Der Wiederauffüllung der Wasservorräte ist sofort besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, da sie sonst benutzten Leitungen zerstört sein können und Treibstoffreserven nicht immer zur Verfügung stehen.



Nachrichtenverbindungen

Wegen des Ausfalls der Nachrichtenverbindungen blieben die Luftlagemeldungen aus. Es wurden Horchposten aufgestellt, die mit Handsirenen ausgerüstet waren und am Tage bei Fliegeralarm, nachts dagegen wegen der fehlenden Verdunklung, schon bei öffentlicher Luftwarnung das Werk zu alarmieren hatten.


Aufräumungsarbeiten

Von entscheidender Bedeutung erwies sich die Maßnahme, das Werkgelände nach dem Angriff abzusperren, so dass niemand die Arbeitsstätte verlassen konnte. Nur aus diesem Grunde standen die für die sofort in Angriff zu nehmenden Aufräumungsarbeiten ausreichende Kräfte zur Verfügung und nur so war es möglich, die Produktion am gleichen Tage um 17.00 Uhr teilweise wieder anlaufen zu lassen. Die verständliche Aufregung der Gefolgschaftsmitglieder wurde durch die Inanspruchnahme mit körperlichen Arbeiten abgelenkt. Auch ergab sich hieraus ein bemerkenswerter Arbeitsschwung, der wesentlich zum raschen Erfolg beigetragen hat.


Gefolgschaft und Angehörige

Die alsbald einlaufende Mitteilung, dass Angriffsschäden in den Wohngebieten nicht vorlagen, enthob die im Werk verbliebenen Gefolgschaftsangehörigen jeder Sorge um ihre Familie. Ein Teil der Gefolgschaft mußte jedoch durch den vorgesehenen Werkschutzbereitschaftsdienst während der anschließenden Nacht hindurch bis zum folgenen Abend im Werk bleiben. Für die Zukunft muß sichergestellt werden, dass die Angehörigen dieser Werkluftschutzmänner noch am Angriffstage über das Schicksal ihrer Väter, Männer usw. Nachricht erhalten. Die Betriebszellenorganisation ist das hierzu geeignete Werkzeug.
Die Gefallenen sind mit Anhängekarte zu versehen, auf denen ihre Personalien verzeichnet werden, damit nach dem Abtransport ihre Identifizierung jederzeit ohne Schwierigkeiten möglich ist. Auch sind Aufzeichnungen über den Ort ihrer Auffindung anzulegen.


Hilfeleistung außenstehender Dienststellen

1.
Wegen des Ausfalls der Telefone würde die Anforderung von Hilfe geraume Zeit beansprucht haben. Es wäre wünschenswert, in Fällen, in denen nur ein begrenzter Bezirk angegriffen ist, Beauftragte der einzelnen Sparten der öffentlichen Luftschutzleitung so schnell wie möglich an die Schadensstellen zu entsenden, damit die durch die Benutzung von Meldern erforderlichen Zeitverluste so weit wie möglich ausgeschaltet werden, zumal Fahrräder für Melder unter Umständen nicht zur Verfügung stehen und die kürzesten Verbindungswege wegen Blindgängergefahr abgesperrt sein können.

2.
Knapp eine Stunde nach dem Bombeneinfall legte ohne Aufforderung unsererseits ein Fahrgastschiff der Stadtwerke an der Anlegebrücke des Werkes an, um die Verletzten abzutransportieren. Diese Maßnahme der Stadtwerke wurde besonders deshalb begrüßt, weil nunmehr die den Verletzten dringend notwendige Hilfe durch Behandlung im Krankenhaus schnellstens erteilt und die Verletzten selbst aus dem Werk abtransportiert werden konnten.

3.
Etwa um 15.15 Uhr traf eine Abteilung des Luftschutz-Sanitätsdienstes (2 Helferinnern) im Werk ein. Diese Hilf etrug zum Verbinden nur der Verletzten bei.

4.
Die zur ersten Behandlung der Schwerverletzten erforderlichen Ärzte trafen zu spät im Werk ein. Nachdem unsere Sanitätsstelle nach Besichtigung durch die örtliche Luftschutzleitung zur Werkrettungsstelle erklärt worden ist, erscheint es unbeding erforderlich, dass unmittelbar nach dem Bombenabwurf noch während des Alarms die örtliche Luftschutzleitung einen Arzt entsendet, der seine Tätigkeit sofort aufnehmen kann. Es wird dabei darauf hingewiesen, dass auch im vorliegenen Falle die Nachbarfirmen (Hannemann & Co., Lubeca-Werke) ihre Gefolgschaftsangehörigen zum Teil unserer Werkrettungsstelle zuweisen. Ohne ärztliche Leitung kann eine solche Belastung nicht bewältigt werden, ohne dass eine Reihe von Behandlungsbedürftigen in unmittelbare Lebensgefahr gerät.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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