Seit 2005 stand der ehemalige Flugzeugführer Oberleutnant Heinz-Georg Möllenbrok, damals 85 Jahre alt, mit www.spurensuchesh.de in Kontakt. Eine Begegnung die für beide von höchstem Interesse war und im Dezember 2007 mit seinem Tod ein Ende nahm. Heinz-Georg Möllenbrok war von der Arbeit die ich als Historiker, mit dem primären Ziel das Schicksal vermißter Flugzeugbesatzungen in Schleswig-Holstein zu klären, sehr beeindruckt und trat mit mir in Verbindung.
Jede Zusammenkunft mit Herrn Möllenbrok, einem der letzten damals noch lebenden Luftwaffenpiloten der deutschen Wehrmacht, war für mich jedesmal eine Begegnung der ganz besonderen Art. Überwältigt von seinen Erzählungen und Erlebnissen, nicht nur von denen die er als Pilot einer Do 17 Z-2 der 3./KG2 durchlebt hat, sondern auch an den Kontakten zu seinen ehemaligen Feinden der Royal Air Force. Am 16.08.1940 wurde Heinz-Georg Möllenbrok und seine Besatzung mit ihrer Do 17Z-2 über England von einer "Hurricane" abgeschossen. Er selbst wurde hierbei schwer verwundet und geriet in britische Gefangenschaft. Nach 50 Jahren, im Juli 1990, besuchte Herr Möllenbrok das Hospital in dem er für 18 Monate untergebracht wurde, das ehemalige Gefangenenlager in dem er bis Oktober 1943 lebte und nahm später als Ehrengast an der Kranzniederlegung ehemaliger Kameraden teil. Eine ganz besondere Begegnung hatte Herr Möllenbrok als er dem Piloten der "Hurricane" , Pilot Officer Frederick William Higginson vom 56. Squadron, gegenüber stand, der ihn 1940 im Luftkampf über England abgeschossen hatte.
Kurz vor seinem
Tod am 15.12.2007 sprach Heinz Georg Möllenbrok seine Erinnerungen an seine Jugend- und Kriegszeit auf Band. Die Aufnahmen über seinen Abschuss am 16.08.1940 über England, sowie seine Erinnerungen an die britische Gefangenschaft, stehen hier zum anhören bereit:
Die folgenden Fotodokumente, sowie die Aufzeichnungen seiner Erinnerungen an die Luftschlacht um England - The Battle of Britain - seinen Skizzen und Zeichnungen, die er während seiner Gefangenschaft anfertigte, liegen mir als Original vor. Der folgende Bericht, der ständig mit neuen Dokumenten und Details ergänzt werden wird, soll weder den Krieg verherrlichen, noch einen Kriegshelden aus dem 85jährigen Veteranen machen, sondern eine historische Dokumentation über einen damals 20jährigen Soldaten machen, der, wie viele Millionen andere auch, sein Leben für einen irrsinnigen Krieg eingesetzt hat.
Viele der Fotodokumente werden hier zum ersten Mal veröffentlicht. Sie alle unterliegen dem Copyright von www.spurensuchesh.de
Dresden, im August 1939 als Pilot in einer Junkers JU 34
Heinz Georg Möllenbrok:
Erinnerungen an die Luftschlacht um England vor 50 Jahren (1990)
Als Flugzeugführer einer Do 17 der 3./KG2 wurde ich am 16.08.1940 auf dem Rückflug in der Nähe von Canterbury abgeschossen. Mein Beobachter und ich konnten uns im letzten Augenblick verwundet mit dem Fallschirm retten, während es für die schwer verwundeten Funker und Mechaniker keine Rettung gab. Mein Fallschirm hängte sich über einen Obstbaum in einem Garten, so hing ich ca. 50cm über dem Erdboden, besonders war der rechte Oberarm zerschossen. Um eine Hausecke sah ich einen Gewehrlauf hervorkommen, ich rief "Help me, I am wounded...". Es kamen zwei Farmarbeiter, etwa 20 Jahre alt, einer mit einer Schrotflinte. Da er aber sehen konnte, daß ich verwundet und hilflos war, versuchten sie den Fallschirmknopf zu lösen, da auch mein anderer Arm behindert war durch einen Schuss in die Schulter. Es gelang dann mit englischer Anweisung von mir, und die Beiden brachten mich gestützt in das Farmhaus, wo mich die Farmersfrau, die Schwester gewesen war, gut versorgte, den Arm abgebunden hat. Sie wollten mich hinlegen, da ich sehr blutete, lehnte ich ab und blieb auf dem Stuhl sitzen, der heute noch auf der Farm als Andenken ist. Zur Linderung der Schmerzen bekam ich ein Glas Whisky, bis ich dann wohl ohnmächtig geworden bin und später zum nächsten Krankenhaus in Chartham gebracht wurde. All diese Vorgänge beobachtete der 5jährige Enkel Denis. Im Krankenhaus war ein junger Chirurg, der in Deutschland studiert hatte, er hat den Arm vor einer Amputation gerettet. Die weitere Behandlung war im Royal Herbert Hospital in London-Woolwich, wo 3 Säle je 30 Betten für deutsche Patienten reserviert waren bis März 1941, dann Verlegung in Lager oder andere Hospitäler. Eine Skizze des Offiziers-Saales mit Namen der Verwundeten und des englischen Sanitätspersonals hatte ich in meinem Skizzenbuch, eine Kopie schickte ich vor zwei Jahren an den historischen Mitarbeiter des Herausgebers der Bücher "The Blitz - then & now", Mr. Andy Sounders, auch mit der Bitte um Feststellung der Farm meiner Landung und den Gräbern der Gefallenen.
Die Farm, der jetzt 55jährige Farmer, seine ehemaligen Gehilfen wurden gefunden, eine der Krankenschwestern. Mr. Sounders berichtete diese Story dem Thames Fernsehen, die Themen für eine Dokumentation suchten für Erinnerungen an den "Blitz in London und 50 Jahre danach". So kam es zu einer Einladung, der ich auch gern gefolgt bin, ich auch zu den Gräbern meiner Kameraden wollte, um Kränze niederzulegen, da ich auch inzwischen für das KG2 die Grablagen der Gefallenen mit Hilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge erhalten hatte. Meine zwei der Besatzung waren 1962 zum zentralen Deutschen Heldenfriedhof Cannock Chase umgebettet. Dort liegen 2500 Gefallene des 1. und 2700 des 2. Weltkrieges würdevoll bestattet, weitere 1500 auf vielen kirchlichen Friedhöfen in ganz England, so Gruppen mit mehreren gutbetreuten Gräbern z.B. in Margate, Folkstone und Tangmere. Die Kranzniederlegung in Folkstone wurde auch vom Fernsehteam aufgenommen. Die Aufnahme auf der Farm von MR Denis Vickers und seiner Familie, den Nachbarn, meinen zwei "Ergreifern" von damals war einmalig, auch die Zusammenarbeit mit dem TV-Team. Um wieder englisch sprechen zu lernen, war ich schon drei Tage vorher Gast bei Familie Vickers, dort Treffen mit einem Journalist, der selbst über Deutschland abgeschossen war, einem Nachbarn, der von Dünkirchen her bis 1945 Kriegsgefangener in Deutschland war, auch einem Berichterstatter, der Unterlagen über unseren Angriff auf Eastchurch hatte. So auch Fahrten zu den Erinnerungsstätten "Battle of Britain Museen" in Manston, Hawkinge und Tangmere. In Hawkinge-Folkstone drei Me 109, eine davon wurde in dem deutsch-englischen Film "Luftschlacht über England" noch 1969 geflogen, auch viele Teile und Berichte von deutschen Flugzeugen und deren Mannschaft.
Mit dem TV-Team fuhr ich nach London, um am nächsten Tag zu Aufnahmen mit der gefundenen Krankenschwester im Hospital in Woolwich zu sein. Die heutige Mrs. S. Bambridge ist 76 Jahre alt, kann sich an viele Namen der Offiziere erinnern, von denen allein etwa 20 Jagdflieger waren. Besonders konnte sie sich an unsere Weihnachtsfeier dort 1940 erinnern, mit gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern. Eine Karte mit 25 Unterschriften von uns hatte sie aufbewahrt zur Erinnerung. MR Saunders fuhr Mrs. Bambridge und mich nach Eastbourne an der Südküste, dort haben wir drei Tage Erinnerungen ausgetauscht, auch hatte sie eine Einladung in den RAFA-Club in Bexhill mit dem Präsidenten Igglesden organisiert. Im dortigen Club sind besonders Angehörige von ehemaligen Bomberbesatzungen. Dort waren interessante deutsche Unterlagen, so ein Landungsplan, eine Bildersammlung aus der Leica des Uffz. L. Zaunbrecher, 2./JG52, abgeschossen am 12.08.1940, unten deutlich zu erkennen F.M. Milch und andere Generale.
Die Aufnahme wie überall sehr freundlich, daß ein deutscher Fliegerkamerad nach 50 Jahren nach England kommt. MR Sounders brachte mich entlang der Südküste nach Tangmere, einem ehemaligen Hurricane-Stützpunkt. Dort ein sehr gutes Museum mit Andenken an die englischen Einheiten, wie auch geborgene deutsche Flugzeuge. Dort wurde eine Erinnerungsecke eingerichtet, mit unserem Kranz und Schleifen zu Berichten über die Gefallenen und deren Flugzeuge. Anschließend auf dem Friedhof bei der uralten Kirche Tangmere, deutsche und englische Gräber, dazwischen blühende Rosen. Auch eine Gedenktafel in der Kirche, zum 50jährigen Gedenken ein englisch-deutscher Gedenkstein, oben englische Wappen, unten das eisenerne Kreuz!
Von Southampton fuhr ich per Bus nach N-Wales, wo mich wieder englische Bekannte betreut haben und mit mir nach Cannock Chase gefahren sind. Hier müssen wir dem Volksbund und der englischen War Graves Commission Dank sagen, wie auch für alle deutschen Gräber in England, vom 1. und 2. Weltkrieg. Diese Gedenkstätten sind eine Reise wert und wir sollten nach 50 Jahren uns wieder an unsere Kammeraden erinnern, die so jung gefallen sind.
"Juni 1940, mit Ogfr. Golob, gefallen 16.08.1940, Training in He 111"
Eines der zahlreichen Bilder die Heinz-Georg Möllenbrok während seiner Gefangenschaft gezeichnet hat.
Dies Portrait zeigt einen seiner verwundeten Kameraden. ("Chepstow Hospital, 21.Nov.1942")